Yoga

Essstörungen aus Sicht des Ayurveda

Wer einmal unter einer Essstörung gelitten hat, wird dieses Thema oft niemals los. Viele empfinden die Angst davor, bestimmte Lebensmittel zu essen, die Kontrolle über den Teller und den Körper zu verlieren, oder eine gewisse magische Grenze an Gewicht zu überschreiten, trotz Therapie, weiterhin als tägliche Herausforderung.

Essstörungen zeigen sich mit ganz unterschiedlichen Gesichtern. Bei Einem zeigt sich das Problem darin, dass er das gesunde Maß und damit sein Sättigungsgefühl verloren hat. Bei dem Anderen äußert es als Essensverweigerung und wieder ein anderer leidet unter der sog. „Ess-Brech-Sucht“. Ihnen allen gemein ist die Tatsache, dass kein gesundes Verhältnis zum Essen und eigenen Körper besteht. In diesem Beitrag geht es nicht um diejenigen Essstörungen, die sich als drastisches Übergewicht nach Außen zeigen, sondern um den Wunsch nach Kontrolle und Magerkeit.

Vorab aber ein notwendiger Disclaimer: Eine Essstörung muss behandelt werden und die folgenden Empfehlungen ersetzen keinen Therapeuten: Aber der Ayurveda als „Wissenschaft vom Leben“ zeigt uns seinen Weg nicht nur zu einer gesunden Lebensweise, sondern auch zu einem gesunden Umgang mit dem eigenen Körper auf.

Was sagt der Ayurveda also zu Essstörungen? Und welche Doshas sind dabei betroffen? Wie kann Ayurveda dir auf deinem Heilungsweg helfen?

Wer an Untergewicht leidet, hat augenscheinlich eine Vata Dysbalance. Denn dieses Dosha zeichnet sich gerade durch die Eigenschaften klar, rau, trocken, beweglich und leicht aus. Menschen mit Anorexie oder Bulimie sehnen sich gerade nach dem Gefühl der Leichtigkeit. Viele Betroffene berichten auch gerade, dass das Gefühl der Leere im Bauch ihnen Energie spendet. Dagegen haben sie oftmals in früheren Zeiten nach dem Essen eine Schwere, Verdauungsstörungen oder Ähnliches gespürt. Genau diese Verdauungsstörungen können zu bestimmten Glaubenssätzen rund um das Essen führen. Wer in seiner Konstitution viel Vata angelegt hat und Zeit seines Lebens unter einer Vata Verdauung mit Blähungen, Verstopfungen etc. gelitten hat, hatte evtl. schon immer mit der Verdauung von Weizen, Kuhmilch, Soja und Ähnlichem seine Schwierigkeiten. In solchen Fällen kann das Gefühl der Leichtigkeit im Magen verändernd sein – leider aber nicht immer zum Vorteil. Die Betroffenen empfinden dieses Gefühl als befreiend. Eine Vata Person kommt durch diese leichte Ernährungsweise aber gerade noch tiefer ins Ungleichgewicht. Denn laut Ayurveda hat ein Vata Dosha im Ungleichgewicht auch Heißhunger auf „leichte Kost“, wie zum Beispiel Rohkost. Gerade das kann zum Teufelskreis werden.

 

Das Agni zu stärken, damit nicht wieder das Gefühl der Schwere nach dem Essen und Ama (unverdaute Nahrungsrückstände) entstehen, ist Teil des Weges zu einem gesunden Umgang mit dem eigenen Körper. Dazu können vor allem sog. Dipanas beitragen. Das sind solche Gewürze, die das Verdauungsfeuer entfachen und damit die Verdauung unterstützen. Besonders hilfreich ist hier Ingwer. Man kann etwa ½ h vor der Mahlzeit eine Scheibe Ingwer mit etwas Steinsalz und Honig langsam kauen und damit die Verdauungsenzyme anregen. Gut wirken auch andere erhitzende Gewürze wie Pippali (langer Pfeffer), Ajwan, Senfsaat oder schwarzer Pfeffer.

Oft spielt aber auch ein gestörtes Pitta mit, denn wer sich das Essen so sehr verbietet und damit ein ureigenes, natürliches Bedürfnis unterdrückt, braucht Einiges an Selbstbeherrschung. Pitta bringt dabei den Antrieb, das Durchhaltevermögen, ja man kann auch sagen die Verbissenheit, um eine so restriktive Ernährung dauerhaft durchzuhalten.

Um gesund zu werden, sollte der Fokus auf diese beiden Doshas gelegt werden. Eine Vata senkende Ernährung mit frisch und liebevoll zubereitete Speisen, Achtsamkeitspraxis und aufbauende Ölmassagen können helfen.

. Der Weg der Heilung führt direkt in die Küche. Dieser Raum, der für Viele, die unter einer Essstörung leiden bzw. gelitten haben, so negativ behaftet ist, ist wichtige Komponente um Lebensmittel als „Mittel zum Leben“ wieder zu erfahren. Es geht nämlich nicht nur darum, was wir essen, sondern auch wie wir es Zubereiten. Denn laut Ayurveda ist die Bekömmlichkeit der Nahrung auch davon abhängig, mit welcher inneren Haltung sie gekocht wird. Wenn wir mit Liebe unsere Speisen zubereiten und daraus quasi eine Achtsamkeitspraxis entstehen lassen, ist dies ein Ausdruck der Selbstliebe.

Gerade diese Selbstliebe immer und immer wieder einzuladen, ist ein Teil des Heilungsweges. Das heißt:

  • Nimm dir Zeit für die Zubereitung deiner Speisen
  • Verwende zu Beginn Zutaten, die leicht verdaulich sind und würze mit verdauungsfördernden Gewürzen und Kräutern wie Cumin, Fenchel und Asafötida
  • Lasse Fertigprodukte links liegen. Unser Körper kann mit diesen Chemiekeulen nichts anfangen. Versuche frisch, regional und saisonal zu kochen.
  • Richte dir deine Speisen schön an. Vielleicht magst du in neues Geschirr investieren?
  • Nimm dir Zeit dein Essen zu genießen und es zu schmecken. Essen ist Sinnlichkeit. Versuche die einzelnen Geschmacksrichtungen zu erforschen.

Und nicht zu vergessen, iss so leicht verdaulich wie es für dein Agni stimmig ist. Denn der Ayurveda geht hier auf dem Weg zu einem gesunden Gewicht nicht vom Kalorienzählen aus. Vielmehr gilt der Leitsatz: „Iss die schwerste Nahrung, die du auch verdauen kannst“. Was das genau für dich, ganz individuell betrachtet, heißt, kann dir ein Ayurvedaberater aufzeigen.

Das Gespür für den eigenen Körper zurückzugewinnen

Und eines lehrt uns der Ayurveda ganz besonders: Das Gespür für den eigenen Körper zurückzugewinnen. Denn durch dieses „Wissen vom Leben“ kommen wir in Verbindung zu unserem Körper. Oftmals fühlen sich Betroffene abgetrennt von der körperlichen Erfahrung, was durch die oft jahrelange Ablehnung des eigenen Körpers geschieht. Als erster Schritt kann hier eine regelmäßige Yogapraxis als Teil der Morgenroutine helfen. Durch die Asanas den eigenen Körper im Fluss mit der Atmung zu spüren, das schafft Verbindung – nicht umsonst heißt Yoga gerade das: Verbindung. Je mehr wir in Verbindung zu unserem Körper kommen, desto mehr können wir seine Zeichen und Bedürfnisse verstehen. Wer sich auf die Reise des Ayurveda zurück zu seiner Grundkonstitution begibt, kann Frieden schließen. Zu erkennen, dass der eigene Körper in seiner Grundanlage nicht als Größe XXS gedacht ist, sondern eben seinen Kapha Anteil hat und für ein gesundes Leben sogar haben muss, kann in dieser Erkenntnis eine Spur Leichtigkeit finden. Dies ist eine Leichtigkeit, die bedeutsamer ist, als diejenige des leeren Magens.

 

In diesem Sinne: Celebrating Kapha https://www.rest-and-digest.de/celebrating-kapha-finde-zu-deinem-wohlfuehlkoerper/

 

Namaste!

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